probably the same

KRIEGER.WÖLFE



Auf einmal ist alles klar. Und doch liegt es in Trümmern. Es reißt Fetzen und spannt sich fest, löst sich kurz, nur um sich dann wieder fest zu schnüren. Meine Muskeln spannen sich wie von alleine an, mein Brustkorb scheint zu klein für mein wummerndes Herz. Ich bin ein Krieger, doch wofür ich kämpfe weiß ich nicht. Nur das ich es muss, das ist klar. Ein Seelenfeuer entfacht, es lodert und brennt. Frisst sich durch mich durch, entzündet alles in mir. Und obwohl es weh tut und mich übermannt, ist es, als wäre ich angekommen. Endlich verstanden, endlich wieder wach nach einem langen dösigen Taubheitsschlaf. Die Wolken brechen zusammen, ein kleiner Sieg und endlich kann ich atmen, kein Feind drückt mich mehr nieder in den Grund. Ich bin ein Krieger, doch wofür ich kämpfe weiß ich nicht. Es ist nicht der Sinn, doch es ist der Wille, weiterzumachen. Wir sind nicht alleine. Diese ganze Generation ist kaputt. Und auch wenn unser Käfig aus Alltag und Trott so eng wirkt, dass es uns betäubt, so sind wir nicht die einzigen Wölfe, die sich gegen das Verkommen zum Köter wehren. Wir beißen und treten, reißen in Fetzen. Und auf einmal ist alles klar. Wir sind Krieger, nur wofür wir kämpfen wissen wir noch nicht.
15.7.11 20:05


"UND, WIE GEHTS DIR SO?"



"Gut", sagt sich ziemlich leicht. Vermutlich will es das alles einfach nicht nochmal durchkauen, immerhin nagt mein Hirn dauerhaft an all dem und mein Herz tut sich weiterhin schwer, es zu verdauen. Ich will es auch niemanden sagen. Zumindest nicht den Leuten, die fragen. Sie würden es nicht verstehen. Was soll ich auch sagen? Wo würde ich anfangen? Wie weit müsste ich ausholen und würde es der Sache gerecht werden, es kürzer zu fassen?

Wenn mich nun jemand fragen würde "Und, wie geht's dir so?", würde ich erstmal "Gut" sagen. Doch wenn nachgehakt würde, würde ich erstmal aufseufzen:

 

"Wie soll's mir gehen? Momentan wächst mir einfach alles über den Kopf. Mein Studium macht mir seid Monaten keinen Spaß mehr; es interessiert mich einen Dreck. Ich kann mich nicht aufraffen, irgendwas zu tun, weil ich nicht weiß, ob ich das überhaupt will. Ich meine: Sollte man das Fach, für welches man sich entschieden hat, welches später das Berufsziel und mit welchem man demnach tagtäglich zu tun hat, nicht wenigstens halbwegs interessant werden? Was ist aus meinem Vorsatz geworden, auf keinen Fall einen abgestumpften Job zu erledigen, nur weil er Geld bringt? 'Das ist der Teil des Faches durch den du später Kohle kriegst' - Dann bin ich hier offensichtlich falsch! Ich glaube nicht, dass ich dort richtig bin und das macht mich rasend, wenn ich die Unmengen an Studiengebühren betrachte. Die wiederum bringen meine Eltern dazu, einen Studienabbruch ohne Umschweife auszuschließen. Also stolpere ich mit Mühe und Not durch die momentane Klausurphase, bin lustlos und frustriert und habe dauerhaft ein schlechtes Gewissen.

Generell ist die Situation mit meinen Eltern momentan ein Disaster. Mein Vater redet mit mir nur noch über all das, was ich bitte noch neben der Lernerei erledigen soll. Es macht mich rasend. Gegenüber meiner Mutter verhält er sich unmöglich und sie gibt es ihm zehnfach zurück. Dauernd sind sie gereitzt. Die Versuche meines Vaters, meine Mutter wieder milde zu stimmen, arten nur noch mehr aus und immer wieder hört man den gebrüllten Satz "Ich weiß nicht, was ich noch machen soll!". Diese Hilflosigkeit hängt generell in der Luft. Mein Bruder scheint es nicht zu merken, aber ich leide darunter, dass ich nichts tun kann, um die Situation zu verbessern. Mir soll noch einmal jemand sagen, dass man sowas mit 20 besser ertragen kann als Jüngere, dem dreh ich den Hals um. Ich hätte nie gedacht, dass es einmal so kommt. Ich sitze vor Familienalben und weine wie ein Schlosshund. Es kotzt mich selbst an. Und jeder der es schön reden will, quatscht bei mir mit einer Wand. Daran gibt es nichts zu beschönigen!

So nervenaufreibend diese beiden Aspekte auch sind - man gewöhnt sich an alles. Irgendwann findet der Mensch sich mit seinem Schicksal ab. Und so kann auch ich mittlerweile einfach ignorieren, wie viel momentan eigentlich schief läuft, wenn ich etwas finde, was mich ablenkt. Es wird nicht besser, aber es wird erträglich.

Was ich nicht ertragen kann, ist die Ignoranz mir gegenüber, die der Mensch zeigt, dem ich das alles erzählen wollen würde. Bisher hat es bei allen geklappt, irgendwann über sie hinweg zu kommen und weiter zu machen. Ja, teilweise grenzt dies schon an Vergessen. Doch bei ihm ist das anders. Und das, was sich in seiner Nähe anfühlt, als würde das Herz vor Erfülltheit überschwappen, ist, was mich jetzt unerbittlich runterzieht und mir ein leeres Gefühl im Bauch gibt. Ohne ihn habe ich das Gefühl, es nicht schaffen zu können, was mich furchtbar sauer auf ihn, aber besonders auf mich selbst macht. Warum kann ich, was ihn angeht, keine stolze "Leck-mich-am-Arsch"-Frau sein? Warum muss ich gerade für ihn mehr empfinden als ich sonst für irgendwen, irgendetwas, irgendeine Situation oder irgendeine Erinnerung fühle? Warum gerade er? Es macht mich rasend und verzweifelt zugleich. Und das fühlt sich an, als würde meine Seele vor Leerheit implodieren. Richtig ekelhaft."

 

Das würde ich sagen, wenn mich jemand fragt "Und, wie geht's dir so?". Und dann würde der andere anfangen, alles schön zu reden, mich mit rationalen Sachverhalten milde stimmen zu wollen und zu sagen "Das wird alles wieder". Und das nächste mal, wenn jemand fragt, würde ich einfach "Gut." sagen. "Und dir?"

30.6.11 17:27


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