probably the same

" Ein Tag war wie der andere.

Und auch, wenn wir uns die ganze Woche aufs Wochenende freuten,

war das Wochenende doch immer eine Enttäuschung,

und dann war es wieder Montag und alles fing von vorne an,

und das war das Leben und nichts sonst.

Wir begannen zu verstehen, warum die Erwachsenen so aussahen,
wie sie es taten. Und auch wenn wir uns geschworen hatten,
nie so wie sie auszusehen, war genau das passiert. "

 

Nichts was im Leben wichtig ist - Janne Teller

29.5.11 13:47


VON VERKNÜPFTEN SEELEN UND ENTZWEITEN HERZEN



An dich.

 

Da warst du. Auf einmal. Aus dem abgedunkelten Raum mit den bunten, flackernden Lichtern und der wummernden Musik, die die Füße antrieb. Ich habe dir das nie gesagt, aber als ich dich sah, blieb ich ganz kurz stehen, wie bei einem Stromschlag. Ganz kurz war die Musik dumpf, das Licht war nur noch dazu da, deine Züge mit tausend Farben zu malen, die Luft blieb in meinen Lungen stecken, es war egal. Als ich blinzelte war es schon wieder vergangen. So war es, als du in mein Leben getreten bist. Und ja, das klingt übertrieben und kitschig. Vielleicht dichte ich auch dazu, aber selbst wenn es nicht ganz so war, hätte es doch so sein sollen. Denn es ging um dich. Und mich. Irgendwie.

Von jetzt auf gleich warst du mir so unglaublich nah. Seelisch. Ich wollte dir so viel erzählen. Alles über mich. Du solltest mich kennen, in und auswendig. So wie niemand mich kannte, wohlmöglich nicht mal ich selbst. Meine tiefsten Abgründe wollte ich dir offen darlegen wie ein Buch, all meine Hoffnungen mit dir teilen, meine albernen Träume von Bergen und Abenteuern und meinen Schmerz über die Welt und das Leben, wie es nunmal war. Ich wollte nicht mal, dass du es auch so unternimmst. Nur du solltest wissen, wer und was ich bin. Vollkommen, jeden kleinen Aspekt meiner Person. Aber wir hatten nie genug Zeit.

Gerade noch warst du wie mein daheim, mein Ziel, mein so wichtiger Mensch auf der Welt. Und dann weg, mir wieder entrissen. Es tat furchtbar weh. Und auch als wir wieder redeten ließ der Schmerz nur wenig nach. Es ist etwas anderes einem Menschen nur seelisch oder auch körperlich nahe sein zu können. Ich wollte deine Augen sehen, wenn ich dir aus den Untiefen meiner Gedanken vorlas. Deine Lippen, wenn wir einander zum lachen brachten. Ich wollte deine Hände sehen, wenn du gestikulierst oder Gitarre spielst. Ich wollte dein Stirnrunzeln, den Klang deiner Stimme, deinen Geruch nachdem du aufgestanden bist, und deine tropfenden Haare nach der Dusche. Immer wollte ich es. All das sollte mich umgeben. An jedem Tag, zu jeder Stunde. Doch es blieb mir verwehrt.

Irgendwann macht das einsam. Es fehlen so viele Eindrücke, so viele Facetten des anderen, dass die Seele daran verarmt. Ich fürchte wir Menschen können uns nicht nur von Worten ernähren. Und so nagte ich im Kopf die Erinnerungen tot, klammerte mich an diesen Faden, der uns zusammennähte. Aber alles verblasst irgendwann, es verschwimmt vor unserem inneren Auge und so wichtige kleine Dinge wie den Glanz in deinen Augen und deine Lachfalten, wenn du so wunderbar grinst, geraten in vergessen. All das, was während der Zeit mit dir, so deutlich vor mir stand, wenn ich die Augen schloss, wie sonst nie etwas meine Gedanken nicht losließ.

Nun, wo du nochmal weiter weg bist, als du es jemals warst, reißen nun langsam aber sicher auch die letzten verbindenden Worte ab. Ich bemühe mich so sehr, dass es nicht abreißt. Aber irgendwann kann auch ich nichts mehr tun. Wir hatten uns so kurze Zeit, du warst nie wirklich mein. Ich habe nie deine Freunde kennen gelernt, nie dein Zimmer betreten, nie erzählt bekommen wo du als Kind zur Schule gegangen bist, nie den See gesehen. Ich kann nicht von Wünschen leben und doch klammere ich mich daran. Eigentlich ist das so dumm von mir, aber ich kann dich nicht loslassen. Immer wieder treibt es mich irgendwie in Gedanken zu dir. Das muss doch was heißen, oder nicht? Aber ich kann nicht allein an all dem Festhalten. Es ist so wage, so unsicher, dass sich überhaupt irgendwann etwas zwischen uns einstellt, an das es sich zu glauben lohnt. Ich habe Angst davor und doch es lässt mich nicht los. Bin ich die, die sich an Hoffnungen klammert, oder bin ich längst verloren und die Hoffnungen klammern sich an mich?

23.5.11 21:56


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