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SPUREN IM BEUTETIERNEST UND DER DRECK EINER SCHLECHTEN NACHT



Gestern um halb 6 stand er auf einmal in meinem Zimmer. "Erkennst du mich" fragt er mich. Ich bin noch vom Schlaf benebelt und umarme ihn. Mein Bruder hat ihn reingelassen, er ist zu Fuß hierhin gelaufen. Nach Hause schicken kann ich ihn aus reiner Höflichkeit nicht, ich bin manchmal eben doch zu gut erzogen. Er sitzt in meinem Bett, will über sie reden und wie sehr sie nicht ich ist. Ich will es nicht hören, immerhin habe ich es lange vor ihm begriffen. Gesagt habe ich es ihm, mehrfach. Gesagt, dass er sich schnell was einredet um nicht allein zu sein und gesagt, dass er sie gar nicht so sehr lieben kann, wenn er gleichzeitig solche Sachen zu mir sagen kann. Ich will ihn treten, rausprügeln. Ich lasse ihn in meinem Bett schlafen.

Er hat den Arm um mich gelegt, ich liege da wie versteinert. Jeder einzelne Muskel ist angespannt, während sein Atem hinter mir klingt wie der eines fiesen Jägers und sein Arm wie eine packende Klaue. Kein Auge bekomme ich zu. Er schnürt mir die Luft ab, er nimmt mir meinen Raum. Noch vor kurzen hatte ich mir so sehr gewünscht, wieder neben ihm liegen zu können, doch jetzt komme ich mir vor wie ein zitterndes Beutetier, starr vor Angst und Schreck und wartend auf den nächsten Streich. 

Ich bekomme kaum Schlaf, liege die meiste Zeit wach und hoffe, dass er endlich die Streichelei bleiben lässt. Die Mühe so zu tun, als könne ich unter diesen Umständen zur Ruhe kommen, mache ich mir nicht. Am nächsten Tag ist er es, der zittert. Vor dem Urteil meiner Eltern. Doch die schütteln nur grinsend die Köpfe, während ein Grollen meine Glieder hochfährt als er sagt, ich müsse ihn schnell nach Hause fahren, seine Freundin warte schon am Bahnhof. Im Wagen verfluche ich meine gute Kinderstube und ihn. Und sie. Und mich. Benutzt und dreckig komme ich mir vor und flüchte, als ich wieder nach Hause komme unter die Dusche. Ich muss noch die Laken wechseln, der Geruch nach seinem Parfüm ist nur eine unnötige Spur, wie ein Fingerabdruck auf meinem Leben, der da nicht sein sollte. Wieso vergessen immer alle die Samthandschuhe, wenn es um mich geht? Außerdem stinkt das Ganze bis zum Himmel.

20.2.11 16:19
 


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